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Der Schreck des Tages - Druckversion

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+----- Thema: Der Schreck des Tages (/showthread.php?tid=1423)



Der Schreck des Tages - Joshua Jones - 08-27-2025

Heute war der 31. Oktober, allgemeinhin bekannt als Halloween. Obwohl er als Vampir eigentlich von grund auf das perfekte Kostüm dafür besäße, war Joshua noch nie ein großer Fan davon gewesen. Dieses absichtliche Erschrecken und Heischen nach möglichst viel Süßkram widerte ihn an, er mochte es nicht erschreckt zu werden und er mochte Süßigkeiten nicht. Viel zu pappig und dreckig. Und das Erschrecken? Mit welchem Grund? Natürlich kannte er den einstmals heidnischen Brauch, damit irgendwelche Geister zu vertreiben, beziehungsweise den christlichen Brauch, irgendwelche Heiligen zu ehren; mit beidem konnte er aber nicht allzu viel anfangen.
Nichtsdestotrotz wurde er gezwungenermaßen Teil dieses Treibens, als er sich nachmittags auf den Weg machte, um sein vor drei Tagen bestelltes Schmuckstück von Pandora abzuholen. Beziehungsweise, nicht von ihr direkt, denn sie hatte vorhin gemeint sie habe heute Geburtstag und müsse irgendetwas heiliges feiern; sicherlich bei Hexen irgendeine Anwandlung zu o.g. Feiertag. Naja. Kurz fragte er sich, wieso sie sich dann nicht einfach morgen trafen, wenn sie frei und ausgeschlafen war. Doch in ihrer Nachricht war gestanden, dass ihr ominöser Mitbewohner Bescheid wusste und es im Grunde ja wirklich bloß noch um die Übergabe ging, bezahlt hatte er das Teil neulich schon. Auch etwas was er normalerweise nicht tat da viel zu viele Betrüger unterwegs waren, doch etwas anderes war ihm nicht übrig geblieben und wie schon einmal erwähnt, kam Pandora ihm eigentlich nicht vor, als würde sie Schmu mit seinem Blut oder Schmu bei der magischen Herstellung treiben. Aber das alles würde sich bald herausstellen.

Ein bisschen aufgeregt und neugierig war Josh allemal, als er innerhalb von ein paar Tagen das zweite Mal an der gleichen Tür klingelte, auf den Summer lauschte und anschließend die Treppen zu besagter Wohnung hoch stiefelte. Je näher er dieser kam, desto mehr erinnerte er sich an die seltsamen Gefühle und Erinnerungsfetzen von vor Kurzem, als er die Stimme dieses Mitbewohners gehört hatte.. Konnte sie ihm tatsächlich bekannt vorkommen..? Aber wenn, dann aus ganz früherer Zeit, von vor vielen vielen Jahren.. und das konnte eigentlich nicht sein. Niemand von damals war noch in seinem Leben und im Grunde war niemand von damals noch wichtig für ihn.
"Hi sorry ich bin ein bisschen später dran, der Bus hatte natürlich Verspätung.", sagte er einfach schon einmal noch bevor er jemanden sah und während er um die letzte Ecke bog, hinauf zur Eingangstür.


RE: Der Schreck des Tages - Jack Evans - 09-09-2025

Eigentlich hatte Jack überhaupt keine Zeit hierfür! Als sich seine Mitbewohnerin Pandora gestern Abend von ihm verabschiedet -und ihm die kleine schwarze Schachtel überreicht hatte, hatte er ihren Einfall schon für eine blöde Idee gehalten, dass er irgendeinem ihrer Kunden (ein Vampir vermutlich, wenn man davon ausging, dass es sich um einen Tagschatz handelte) die fertig gewordene Bestellung aushändigen sollte.
Immer wieder, wenn er an ihr gestriges Gespräch zurück dachte versuchte er sich selbst einzureden, dass er sein Okay nur gegeben hatte, weil sie bald Geburtstag hatte und dieser freundschaftliche Dienst schon eine Art verfrühtes Geschenk darstellte. Aber wenn er ehrlich zu sich war, dann hätte er es an jedem anderen Tag sicherlich auch gemacht.
Auch wenn er sich damit selbst in Schwierigkeiten brachte und es ihm gerade heute und gerade jetzt überhaupt nicht passte.
Er musste nämlich gleich noch zu Gericht. Er hasste Präsenztermine. Er musste sich ordentlich kleiden, hatte Fahrweg und wurde in aller Regel aufgrund der Tattoos und Piercings, die er auch mit Hemd nicht verbergen konnte, verstohlen angestarrt. Zum Glück kam es nicht so oft vor, dass jemand in Portland und Umgebung, dessen Englisch nicht ausreichend war, Straftaten beging oder anderweitig Auseinandersetzungen vor Gericht hatte.
Aber warum musste gerade heute alles so knapp sein? Eigentlich hatte Jack ja noch etwas Zeit, aber er wollte nicht auf den letzten Drücker dort erscheinen. Wieso musste dieser Kerl auch zu spät sein? Ein Blick auf das Display seines Handy verriet ihm nämlich, dass er schon vor 10 Minuten hätte hier sein müssen “Verdammt…!” Warum konnte er nicht einmal nein sagen?

Als es dann endlich klingelte, lief Jack eiligen Schrittes zur Tür und betätigte den kleinen Knopf neben dem Höher, um dem Besuch die Haustür zu öffnen. Als er die Schritte im Treppenhaus hörte, hielt er das kleine Kästchen bereits in der Hand. Er wollte nicht unhöflich sein, aber es war unnötig, dass sie noch wertvolle Zeit mit den üblichen Floskeln verschwendeten und Jack den (vermutlich) anderen Vampir erst noch herein bat. Bezahlt war schon und Pandora hatte ihm sonst keine weiteren Anweisungen gegeben, also war Jacks Auftrag nach der Übergabe hier erledigt.
Nichtsdestotrotz würde er nett bleiben. Vielleicht hatte sein vermeintlicher Artgenosse keine Schuld an seinem Zuspätkommen - und als ob er Jacks Gedanken gehört hatte, erklärte er sich auch schon mit der Unpünktlichkeit des Busses.
Jack stutzte, als er die Stimme des Näherkommenden hörte und eine Art Déjà-vu-Gefühl zog sich durch seinen Verstand. Die Stirn in Falten legend sah er auf den Hinterkopf des Typen, der gerade die letzten Stufen zurücklegte. Er überlegte, warum er plötzlich das eigenartige Gefühl hatte, den Kerl zu kennen. Schwarze Haare, schlanke Figur, Tätowierungen, wenn er es richtig erkannte?
Die Unruhe in Jack wuchs, bei jedem Schritt, den der Fremde näher zu ihm aufschloss und dann…
Es war wie ein Blitz, der plötzlich durch seinen Körper fuhr, genau in dem Moment, als die Treppe eine Kurve machte und sich ihm die Vorderseite des Vampirs präsentierte.
Sein Körper verkrampfte, Jack spürte, wie die Schachtel aus seinen Fingern glitt, aber er konnte sich nicht rühren. Sie fiel mit einem lauten, hallenden Scheppern auf den steinernen Boden des Treppenhauses, während er mit Entsetzen in das Gesicht seines Bruders blickte. “Gerard” Es war nicht mehr als ein schwaches Flüstern, während sich der Schock durch seinen Körper fraß und sein Verstand nicht begreifen konnte, was hier passierte. Trotzdem bewegte er sich rückwärts, die bloße Präsenz seines Bruders drückte ihn zurück ins Innere der Wohnung, ohne dass er etwas dagegen machen konnte…


RE: Der Schreck des Tages - Joshua Jones - 09-25-2025

Ein bisschen hatte er schon darauf gewartet, dass von diesem Mitbewohner irgendeine Rückmeldung bezüglich seiner Entschuldigung kam; ein 'passt schon' oder ein 'jaja typisch Öffis' oder auch ein 'dann nimm nächstes Mal gefälligst einen früheren'. Hätte sich schließlich so gehört, zumindest ein paar kurze Worte. Klar, sie mussten sich nicht gut verstehen, aber naja, ein bisschen Manieren dürften schon erwartet werden oder.
Folglich machte er einen innerlichen Seufzer und stellte sich bereits auf einen eher kühlen und kurzen Empfang ein, nur die Übergabe und falls er Glück hatte vielleicht sogar noch ein 'tschüss'. Denn die Zeit für das Hallo war bereits abgelaufen.

Mit der Hand griff er am Geländer weit voraus, schüttelte sich beim um-die-Ecke-laufen beiläufig ein paar Strähnen aus dem Gesicht und machte einen großen Schritt, um das alles möglichst schnell hinter sich zu bringen. Schließlich ging es ja trotzdem und immer noch bloß um seinen Einkauf, den Ersatz Tagschatz...
Die Hand immer noch am Geländer nahm er ein, zwei Stufen und hob dann erst den Kopf um zu sehen, ob derjenige bloß die Tür geöffnet hatte oder sogar schon bereit stand, damit Josh ja nicht nochmal in die Wohnung gehen müsste. .. Was ja auch verständlich gewesen wäre, denn wie gesagt, er wollte hier keine Freundschaft schließen sondern bloß etwas abholen.

Kaum jedoch, als er den Mitbewohner erblickte, erstarrte er komplett. Als hätte der Blitz, welcher sein Gegenüber getroffen hatte, auch nach ihm geleckt und ihn für den Moment vollständig gelähmt, nicht nur den Körper sondern sogar die Gedanken. Die Hand blieb stehen, sein Fuß schwebte in der Mitte von zwei Stufen und er stierte die Treppe hinauf, unfähig etwas zu sagen, zu blinzeln oder auch nur einen Laut von sich zu geben. Und obwohl sich dieser Zustand sicherlich nur über ein, zwei theoretische Wimpernschläge erstreckte, kam es ihm beinahe so vor wie eine Ewigkeit, als hätte sich die Zeit für dieses Bild, welches sich vor ihm ergab, angehalten.
Erst als das Schächtelchen zu Boden fiel, erwachte Joshua aus der Starre und setzte zumindest den Fuß auf die nächste steinerne Stufe - nicht jedoch, ohne den Blick von dem Wesen dort abzuwenden. Dieser Typ dort oben sah exakt so aus wie sein Bruder. Nun ja, nicht ganz exakt so sondern ein bisschen älter, nicht viel doch der da oben wirkte etwas 'gebrauchter'. Wäre sein Kopf in der Lage gewesen angemessen zu denken wäre ihm eingefallen, dass Vampire bis zu ihrem 25. Lebensjahr alterten und er seinen Bruder das letzte Mal gesehen hatte, als dieser noch nicht besagte magische Alterungsgrenze erreicht hatte. Denn ja, dass es sich dort oben um seinen Bruder handelte, daran bestand kein Zweifel. Klar gab es sicherlich ein paar andere Kerle die dem Jack von damals ähnlich sahen, doch irgendwie.. wusste Josh es einfach. Er wusste es, noch bevor der Andere zu sprechen begann. Ein Wort, ein einziges Wort.
Und spätestens nach diesem Wort war klar, dass dort oben tatsächlich sein verschollener Bruder stand. Niemand sonst kannte seinen Geburtsnamen.
"Jack"., entgegnete er, denn für ihn existierten ihre alte Leben in Frankreich nicht mehr. Es existierte kein Jaques mehr, kein Gerard, kein Weinberg, keine Regeln und keine Eltern. Nun aber wieder mit seinem alten Namen angesprochen zu werden, das fühlte sich so falsch und eklig an, dass es ihn beinahe erschauderte. Oder kamen die innerlichen tobenden Ameisen eher von dem Wiedersehen..?
Den Rückzug seines Bruders bemerkte er gar nicht aktiv, von damals noch war er diese leicht unterwürfige Art zu sehr gewohnt.
Stattdessen machte er noch einen Schritt die Treppe hinauf und auf Jack zu.
"Was machst du hier.", fügte er hinterher, die Schachtel war für den Moment vergessen und vielmehr meinte er alles an sich. Was machte sein Bruder Jack hier, genau hier, genau jetzt, genau in dieser Wohnung. Seine Hand am Geländer krallte sich fester um eben jenes und er spürte, wie sich sein Blick verfinsterte.


RE: Der Schreck des Tages - Jack Evans - 10-17-2025

Er war es wirklich! Ein kleiner Teil in Jack hatte gehofft, dass er sich nur geirrt hatte, dass er den Vampir, der gerade das Treppenhaus seiner Wohnung erklommen hatte, irgendein Fremder war, der seinem Bruder nur sehr ähnlich sah. Es hieß ja, dass jeder irgendwo auf der Welt einen Zwilling hatte. Aber spätestens als Gerard ihn mit seinem Namen ansprach, war er sich sicher.
Sein Bruder schien aber genauso geschockt zu sein, wie Jack selbst es war. Er stockte mitten in der Bewegung. Er stand einfach nur da, ein Bein sogar noch in der Luft und starrte in das Gesicht des Geistes seiner Vergangenheit - ebenso wie Jack.
Als sein Körper sich dann wie von selbst in Bewegung setzte, zurückwich und er irgendwo tief in sich drin, noch immer hoffte, dass das hier gerade nicht wirklich passierte, wurde ihm schlecht. Seine Beine fühlten sich weich an, während Erinnerungen an früher zurückkehrten. Keine Bilder oder Sequenzen, sondern Gefühle. Emotionen, die er viele Jahre nicht mehr gespürt hatte - Ehrfurcht, Druck, Angst, Zerrissenheit - vor allem letztere nahm plötzlich sehr viel Raum in ihm ein.
Da war nämlich nicht nur Abscheu in ihm. Jack spürte auch Freude darüber, seinen Bruder nach 20 Jahren wieder zu sehen. Optisch hatte er sich überhaupt nicht verändert und vielleicht fühlte sich das deswegen noch alles so nah an.
Sein dummer, naiver Verstand malte sich sogar aus, dass jetzt alles besser werden konnte. Dass sie jetzt wieder zusammenfinden und eine gemeinsame Zukunft haben konnten.
Aber die Realität sah leider anders aus, sein Bruder würde nicht vorhaben, ihre gemeinsame Vergangenheit aufzuarbeiten, denn in dem Augenblick als die Überraschung von ihm abfiel und seine Züge gleichzeitig härter und starrer wurden, wusste Jack, das dies hier zu keinem Happy End führen würde.
Und Jack spürte, wie er daraufhin ganz automatisch in alte Verhaltensweise zurückfiel. Sein über Jahre erarbeitetes Selbstvertrauen bröckelte in wenigen Augenblicken. Er senkte den Blick, trat noch einen Schritt zurück - am liebsten wäre er weggelaufen - und entgegnete dann mit einem Zittern in der Stimme, dass er so von sich nicht mehr kannte “Hier wohnen.”


RE: Der Schreck des Tages - Joshua Jones - 10-24-2025

Erst bei dem abermaligen Schritt nach hinten und von ihm weg bemerkte er dies ein wenig, das Ausweichen, die kleine Flucht. Hatte Jack Angst? Vor ihm, Joshua, seinem Bruder? Könnte er wirklich Angst haben, seinen älteren Bruder wieder zu treffen?
Josh hoffte es. Und der kleine Teil in seinem Kopf, welcher darüber gerade nachdenken konnte, beobachtete Jacks Reaktion mit absoluter Genugtuung. Wäre dieser Teil größer gewesen, wäre wahrscheinlich sogar ein kleines fieses Grinsen auf seine Mine getreten.
War der Teil aber nicht, denn der Hauptpart seines Kopfes beschäftigte sich erst einmal mit der puren Überraschung, dieses Gesicht dort oben wieder zu sehen. Nach so vielen Jahren totaler Funkstille. Und vor allem: nach dem, wie sich ihre Wege getrennt hatten.
Nach allem was damals passiert war, stand Jack nun wahrhaftig vor ihm. In der ganzen Zeit und vor Allem kurz nach dem Verschwinden seines Bruders hatte er sich ausgemalt, wie er reagieren und was er tun und sagen würde, würden sie sich wieder sehen. Würde Jack doch plötzlich wieder vor der Tür stehen, würde Jack doch einen wortwörtlichen Rückzieher machen und zu ihm zurück kehren. So viele schöne Szenen und Sätze und manchmal sogar Taten hatte er sich ausgemalt, alles stets gut durchdacht und mit weise gewählten und wenigen Worten. Mit Worten, die in seinem Bruder Reue und Demut und sonstiges hervorgerufen hätten. Mit denen Jack erst einmal nicht mehr hätte tun können, als sei das alles nicht passiert. Und wenn er ganz wütend gewesen war - vor Allem in den ersten Tagen danach -, hatte er sich sogar ausgemalt wie es wäre, würde er Jack schlagen. Und wenn er dabei ehrlich gewesen war, hatte er sich eingestehen müssen, dass ihn diese Vorstellungen und Bilder fürs Erste zufrieden gestellt und das Feuer in seinem Inneren einen Tick weit gelöscht hatten.
Jetzt aber, wo er so unvorbereitet vor seinem kleinen Bruder stand, fiel ihm nicht ein Satz von damals ein, nicht eine Ansprache und nicht eine Formulierung. Dahin waren die ganzen Gedanken die er sich stundenlang gemacht hatte, überflüssig verschwendete Zeit die ihm im derzeitigen Augenblick überhaupt nichts brachte. Leider.

Er machte noch einen Schritt die Treppe hinauf, und noch einen. Und er schnaubte kurz, als die knappe Antwort mit dem 'hier wohnen' kam. Das war offensichtlich. Darum ging es ihm gerade auch nicht, Jack konnte der Mitbewohner oder Liebhaber von Pandora sein, das war ihm schnuppe. Eher ging es ihm um die Gesamtheit von Jacks Existenz an sich. Was zum stinkenden Werwolffurz machte sein Bruder hier. In Ruhe. Scheinbar ohne ein schlechtes Gewissen, was er Josh einst angetan hatte. Im Stich gelassen hatte er ihn nämlich! Verlassen wie einen alten Hund!
Nun trennte sie nur noch die allerletzte oberste Stufe voneinander, Josh hielt jedoch inne da er sich nicht sicher war, ob es klug war, jetzt bereits Jack zu nahe zu kommen. "Wo warst du.", meinte er stattdessen, funkelte den Jüngeren an und spürte, wie das lodernde Feuer der Wut von damals erneut aufzuflammen drohte.


RE: Der Schreck des Tages - Jack Evans - 11-06-2025

”Ich wollte damals nicht gehen, aber ich habe keine andere Möglichkeit gesehen.” Die Situation war ernst und jeder Schritt, den sein Bruder in seine Richtung machte, verdeutlichte das mehr. Gerard war wütend. Jack sah es an seiner Haltung, seiner Mimik und konnte es in seiner Stimme hören. Sein Bruder schien nicht bereit, sich seine Seite anzuhören und vielleicht zu verstehen, wieso Jack so gehandelt hatte.
Es überraschte ihn zwar nicht, schließlich kannte er das Temperament seines Bruders, doch seine Annahme sorgte dafür, dass Jack erst gar nicht versuchte, ausschweifend zu erklären, wieso er damals ohne ein Wort verschwunden war und wieso er Gerards Geld genommen hatte.
Auch wenn er kurz darüber nachgedacht hatte, das Kästchen aufzuheben, es seinem Bruder in die Hand zu drücken, ihn bitte zu gehen und dann die Tür vor seiner Nase zu schließen, entschied er sich anders. Vielleicht weil ihm der Mut fehlte, auf jedenfall fühlte es sich irgendwie besser an den Ball jetzt flach zu halten und zu versuchen die Situation friedlich und für beide Seiten zufriedenstellend zu klären. “Es tut mir leid.” Das tat es wirklich. Manchmal hatte er sich vorgestellt, dass Gerard nach ihm gesucht hatte, damit sie sich aussprechen konnte, alles klärten und dann wieder alles gut war - aber dann kam da dieser Schatten, dieser üble Gedanke, dass er seinem Bruder im Grunde egal war und der einzige Grund, wieso er nach ihm suchen würde der wäre, dass er sein Geld zurückbekam. Jack wusste bis heute nicht, welcher der beiden Optionen wirklich der Wahrheit entsprach. Aber für sein eigenes Wohl hatte er - wann immer er von seinem Bruder erzählt hatte - nie ein gutes Haar an ihm gelassen. Und je öfter er Personen in seinem Leben erzählt hatte, dass sein Bruder ein eigennütziger, selbstverliebter Egoist war, desto leichter war es geworden und desto besser hatte er es selbst glauben können.
Aber jetzt, wo Gerard wieder vor ihm stand, geriet das alles ins Bröckeln. Jack merkte, wie er immer noch Hoffnung hatte, dass sich alles zum Guten wenden konnte - war das dumm?
Jedenfalls konnte er aktiv etwas dazu beitragen, indem er sich zurückhielt, den eigenen Stolz runterschluckte und es seinem Bruder so leicht wie möglich machte. ”Ich hätte das Geld nicht nehmen sollen. Ich zahle es dir wieder zurück. Versprochen.” Jack machte einen Schritt zur Seite -und mit der Hand eine einladende Geste ”Willst du vielleicht erstmal reinkommen?